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Museum Aargau - Klosterkirche von Klarissen Drucken E-Mail
Mittwoch, 15. April 2009 um 14:42 Uhr

Starke Mauern im Wandel der Zeit

Im Schweizer Kanton Aargau lädt das ehemalige Doppelkloster von Klarissen und Franziskanern in der Gemeinde Windisch zum Staunen und Träumen ein. Seit dem Jahre 2009 gehört die Klosterkirche zum Museum Aargau. Unglaubliche mittelalterliche Glasmalereien, welche als bedeutende Kunstwerke der Kulturhistorik gelten, sind darin untergebracht.

Nachdem ihr Mann, König Albrecht I im Alter von 53 Jahren, ermordet durch die Hände des eigenen Neffen Johann von Schwaben und dessen drei Mittätern auf einem Feld zwischen Windisch und Brugg verstarb, stiftete die Königinwitwe Elisabeth das Kloster. Die verachteten Mörder sollten in Angst ihren Tod erwarten. So wurden sie verfolgt und anschließend hingerichtet.

Den toten König brachte man zuerst ins Kloster Wettingen, um anschließend die 1309 stattfindende Überführung in die Königsgruft nach Speyer in die Wege zu leiten.

Damit für das Seelenheil des Verstorbenen gesorgt werden konnte, lies Elisabeth zunächst am Ort der Tat eine Kapelle errichten und zwei Patres verpflichten dort zu dienen. Gedanklich befasste sie sich zu diesem Zeitpunkt schon mit dem Bau des Doppelklosters.

Da Nonnen nicht ordiniert werden durften, wurde die Anwesenheit von Mönchen für die Messen, Seelsorge und Sakramentspendung verlangt. 1310 legte Elisabeth selbst den ersten Grundstein und besiegelte ein Jahr später am Michaelistag (29.September) unter Zeugen die Stiftungsurkunde. Durch die Verfügung der Königinwitwe, welche 1313 in Wien starb, war die Äbtissin für die Führung der Geschäfte des Klosters zuständig.

Der Bau zog sich über zwei Jahrzehnte, Einzelteile wie z. B. die Glasfenster waren bis zur Einweihung des Chors am 12. September 1330 immer noch nicht fertiggestellt.

Nach dem Ableben der Frau von König Albert I übernahm die Tochter Agnes von Ungarn die Oberleitung des Klosters. Zwar trat sie dem Orden zu keiner Zeit bei, verhalf jedoch durch ihre Stellung zwischen Kirche und Welt Königsfelden zu großer Blüte.

1364 verstarb auch Agnes und wurde wie die Mutter zuvor in der Gruft zu Grabe getragen. Bis heute ziert das Mittelschiff der Kirche ein Denkmal – das Kenotaph – aus einem Marmorkorpus. Darunter befindet sich besagte Gruft, die auch weiteren Mitgliedern des Königshauses als letzte Ruhestätte diente.

1415 erfolgte die Eroberung des Aargaus durch Bern und die direkte Beziehung zum Habsburgischen Stifterhauses brach ab. 1528 wurde das Kloster aufgelöst und zum Verwaltungssitz der bernischen Landvogtei umgewandelt. 1770 veranlasste Kaiserin Maria Theresia die Überführung der Toten aus der Gruft ins Kloster St. Blasien. Königsfelden wurde kurz nach deren Umsetzung entweiht, indem das Kirchenschiff in ein Kornlager umgewandelt war und Chorbogen wie auch Fenster vermauert wurden. 1804 wurde das Kanton Aargau neu gegründet und übernahm auch wieder das Kloster in seinen Besitz. Durch das Bestehen anderer Sorgen und Nöte überlegte man sich sogar das Kloster – außer dem Chor – abzureißen. 1868 entstand dazu auf dem Klostergelände die kantonale Heil- und Pflegeanstalt (heute psychiatrische Dienste) und der zerrüttete Franziskanerflügel fiel 1869 durch die Hilfe einiger Spitzhacken in sich zusammen.

Die letzte Instandsetzung der Klosterkirche wurde 1982-1986, die der Glasmalereien 1988-2002 vorgenommen. Der desolate Zustand (z. B. von Feuchtigkeit zerstörtes Mauerwerk, eine um 70 cm aus dem Lot geratene Dachkonstruktion) war Besorgniserregend. In liebevoller Kleinarbeit ist wieder ein anmutiger Ort des Gedenkens an Verstorbene Zeiten und Könige entstanden.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 18. Mai 2009 um 15:12 Uhr