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| Pariser Katakomben - Tausende Schädel als dekoratives Element |
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| Mittwoch, 15. April 2009 um 15:05 Uhr |
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Paris gilt als Stadt der Liebe, wer jedoch einen Blick hinter das Offensichtliche wagt, erkennt schemenhaft die dunkle, morbide Seite von Frankreichs Hauptstadt. Nachdem offene Bergwerke für die Materialbeschaffung – um die Stadt durch immer neue Bauwerke zu vergrößern – nicht mehr ausreichten, wurde ab dem 12. Jahrhundert immer häufiger der Pariser Untergrund als schier unerschöpfliche Materialquelle benutzt. Das unterirdische Stollennetz mit Tiefen von 5m bis 35m erstreckt sich wie ein Irrgarten auf einer Länge von 300 km, ergänzt durch angenommene 100 km „carrière inexplorée“ (unerforschter Steingang). Noch bis 1782 wurde die Erde zutage gefördert, bevor man sich durch das Nachgeben und Einstürzen mehrerer Straßenzüge dazu entschied, die Steinbrüche zu schließen. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde die stetig wachsende Pariser Bevölkerung, wie viele andere in diesem Zeitalter auch von Seuchen und Hungersnöten mit dem Tod sehr vieler Menschen konfrontiert. Verkürzte Ruhefristen – hervorgerufen durch die restlos erschöpfte Kapazität der Friedhöfe – und die damit verbundene Exhumierung halb verwester Körper verschlimmerte die hygienischen Zustände auf katastrophale Weise. 1785 wurde damit begonnen die menschlichen Überreste der auf dem „Cimentierè des Innocents“ Begrabenen in die Katakomben zu überführen. Dem folgend durch die Friedhöfe der Pfarrkirchen St. Eustache und Saint-Landry, begannen die Totengräber die Gebeine aufzuschichten. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fanden die Überreste von etwa 6 Millionen Menschen in den Pariser Katakomben ihre letzte Ruhestätte. Über knapp 100 Stufen, die den Besucher immer weiter in den Untergrund führen, erreicht der Besucher einen kleinen Teil der Katakomben, der für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Lange, düstere Gänge enden in einer Ausstellungshalle, die über die Entstehung und den einen oder anderen bekannten Toten – vorzugsweise aus der Zeit der Französischen Revolution – zu Berichten weiß. Vorbei an der grausigen, bildhaft gewordenen Erinnerung an die Vergänglichkeit führt ein spärlich ausgeleuchteter Rundgang durch die Jahrhunderte. Tausende aufeinandergeschichteter Schädel und Knochen, Zeitlich sortiert nach den Friedhöfen auf dem sie ursprünglich begraben waren, hinterlassen auch lange nach diesem Erlebnis einen bleibenden Eindruck, gerade wenn der Besuch zu einer Zeit stattfindet, die nicht viele Besucher für diesen Ausflug wählen und man fast alleine als Lebender unter den Toten wandelt. Die Lebenden dürfen das Ihre noch lange genießen und diesen Ort des Todes verlassen. Die Toten jedoch sind verdammt in Ewigkeit hier zu ruhen und jeden an die Vergänglichkeit des Seins zu erinnern. Sollte wie durch Zauberhand dem einen oder anderen (vielleicht zu sehr) beeindruckten Besucher ein knochiges Souvenir in die Tasche geraten sein, sorgen die wachsamen Augen der engagierten Mitarbeiter dafür, dass dieses wieder an seinen Platz zurückgebracht wird. Zu erreichen sind die Pariser Katakomben mit der Mètro oder RER B bis zur Haltestelle „Denfert – Rouchereau“, ebenso mit den Bussen der Linie 38 und 68. Die Öffnungszeiten für Besucher sind täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass ist um 16 Uhr), der Eintritt kostet für Erwachsene 7 € pro Person. Natürlich sind die Katakomben nicht das Einzige was Paris an mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten, die auch für Gothics interessant sind, zu bieten hat. Die Friedhöfe Montmartre, Pere Lachaise, Montparnasse und Passy sind von derart atemberaubender Schönheit, das Besucher gerne mal die Zeit vergessen, wenn sie vorbei an den Grabdenkmälern teils berühmter Dichter und Denker wandeln und die Gesamtheit dieser Orte auf sich wirken lassen. |
| Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 19. Mai 2009 um 13:21 Uhr |

