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Festung Heldrungen Drucken E-Mail
Mittwoch, 20. Mai 2009 um 12:46 Uhr


Die Wasserburg und zugleich Festung Heldrungen blickt zurück auf geschichtsträchtige Zeiten, kriegslustige wie auch verschwenderische Besitzer und Belagerungen. Zwei Wassergräben, vier Bastionen und fünf Rondelle zählen neben dem mehrstöckigen Schloss im Stil der Renaissance zu der Festung. Der Müntzerturm, Teile der angebauten Ringmauer und ein turmähnlicher Bau im Nordosten des Schlosses stammen aus der Zeit der romanischen Burganlage. An der Stelle des Schloss-Mitteltraktes befand sich vor der Erbauung der kastellartigen Dreiflügelanlage der Bergfried der alten Kernburg.

Der Ort Heldrungen fand in der Geschichte schon früh urkundliche Erwähnung. Erst 777 als Krondomäne Karl des Großen bekannt, nannte man „Heldrunga“ 874 als zehntpflichtigen Ort der Abtei Fulda. Bereits um das Jahr 1000 existierte dort eine hölzerne Burg. Hartmann II. von Heldrungen veranlasste 1217 den Bau der ersten steinernen Wasserburg. Die kampfeslustigen Herren von Heldrungen genierten sich nicht, ganze Landstriche zu zerstören, während andernorts 1412 die Burg Hohenstein durch Friedrich von Heldrungen, der Sohn des Rudolph von Heldrungen, eingenommen wurde. Der Eroberung nicht tatenlos stattgebend, holte der im Südharz mächtige Graf von Hohenstein sich seine Burg zurück und veranlasste Dangel mit seiner Angreiferschar zugleich zur Belagerung der Heldrunger Burg, welche durch die Abwesenheit Friedrichs gelang, der im selben Jahr durch eine Klinge den Tod fand. Wegen seines verschwenderischen Lebensstils musste Hans von Hohenstein hoch verschuldet die Burg 1484 an Graf Gebhardt von Mansfeld verkaufen. Dessen Nachfolger Graf Ernst II. von Mansfeld sorgte 1512-1519 für den Ausbau zur Verteidigungsburg mit vierflügeligem Schloss (heute stehen nur noch drei), welches gesichert war durch einen Wall mit sechs Bastionen.

Um den Bau der Festung voranzutreiben, wurden kurzer Hand Häuser abgerissen, um Baumaterial zur Verfügung zu haben und um die Arbeitskraft der Bauern – welche Festungsgräben ausheben mussten und helfend bei der Anlage der Befestigungsmauern eingesetzt wurden - sicher zu stellen, lagen zeitweise einige Äcker des Besitztums brach. In der damaligen Zeit galt die Festung als uneinnehmbar, nicht zuletzt wegen der Bastionen, Schießscharten, Zugbrücken und Wassergräben.

1517 sorgten die von Luther angeschlagenen Thesen für Unruhen in allen Bevölkerungsschichten und der Zorn der Bauern entlud sich 1525 unter der Führung des Pfarrers Thomas Müntzer, welcher bei der Schlacht bei Frankenhausen gefangen genommen wurde, um in der verhassten Festung unter den Qualen der Folter auf seine Hinrichtung zu warten. Als Zeugnis dienten der Müntzerturm sowie ein Denkmal, welches die Festnahme Müntzers zeigt und ergänzt wurde durch die Abbildung eines kräftigen jungen Paares sowie drei geschlagene Bauern.

Weitere Besitzer und Eroberungen z. B. durch Wallensteins Truppen, wodurch alle Festungsinsassen dem Tode geweiht waren oder die Schweden folgten. Durch den Wiener Kongress fiel der Ort mitsamt der Festung den Preußen zu, welche aufgrund der Bedeutungslosigkeit in der militärischen Kriegsführung 1860 die Streichung aus dem Verzeichnis preußischer Festungen veranlassten.

Seit 1974 wurden die Sanierungsarbeiten aufgenommen, worauf eine Jugendherberge wie auch ein Burgcafé in der Festung Heldrungen eröffnet wurden. Unter anderem der Rittersaal kann für Feierlichkeiten und andere Festivitäten gebucht werden. Das Außengelände ist frei begehbar, wer jedoch die Räumlichkeiten besuchen möchte, sollte sich vorher anmelden. Wandelt man heute über das Anwesen, kann der Besucher nur erahnen, unter welchen Umständen und Bedingungen dieses Bollwerk errichtet wurde. Nichts zeugt mehr von der Grausamkeit, die Gefangene ertragen mussten. Ruhig liegt sie da, die mächtige Festung Heldrungen und erlaubt den Besuchern sich in ihrer Nähe aufzuhalten und vergangene Zeiten zu erleben. Nicht zuletzt der dieses Jahr zum dritten Mal stattfindende Mittelaltermarkt vom 26.- 27.09.2009 lockt viele Besucher in den Schatten der Festung, um dort Gaukler, Spielmänner, Händler und leben wie in früheren Zeiten zu erfahren und zu bestaunen.

Informationen und Anmeldungen für die Besichtigung oder Jugendherberge unter:
http://www.wasserburg-heldrungen.de
Informationen zum Mittelaltermarkt: http://www.ostseefeelings.de/frank28/fenster/21heldrungen_werbung_09.htm