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Burg Tharandt – auch heute noch imposantes Zeitzeugnis Drucken E-Mail
Mittwoch, 20. Mai 2009 um 12:36 Uhr

Hoch oben über den Dächern der gleichnamigen Stadt bei Freital (sächsische Schweiz – Osterzgebirge) findet der Besucher – wie leider bei vielen alten Burgen – nur noch die Ruine der Burg Tharandt, bestehend aus Bergfried und Umfassungsmauern als bauliches Zeugnis vergangener Tage. Die einst imposante Burg wurde verheißungsvoll als gewichtigste des Landes bezeichnet. Wandelt man heute zwischen den Ruinen und genießt den Ausblick, können kreative Besucher sich vor dem inneren Auge noch heute das Leben hier vorstellen. Die Oberburg mit Palas, dessen unterer Bereich mit einem Kreuzgewölbe versehen war. Oben stehend eröffnet sich einem der Blick auf die Stelle, wo einst sich die Unterburg befand, welche den Burggrafenturm, Stallungen, Kornboden und Brauhaus beherbergte. Verbunden mit dem oberen Teil durch einen schmalen Hofgang innerhalb der Ringmauer.

Begonnen hat die Geschichte der Burg mit dem Markgrafen Dietrich von Meißen, der in seiner zwischen 1206 und 1215 erbauten Anlage den erstmals 1216 urkundlich erwähnten Burghauptmann Boriwo de Tarant als Vogt einsetzte. Nach seiner Ermordung 1221 hinterließ Dietrich seinen Sohn Heinrich, dessen Vormundschaft Landgraf Ludwig von Thüringen übernahm. Bei einem Kriegszug 1224, um den Anspruch Heinrichs auf die Mark Meißen sicher zu stellen, fiel die Burg bei der Erstürmung den Flammen zum Opfer. Die heutige Ruine ist der Rest der von Markgraf Heinrich des Erlauchten (1232-1288) erbauten Burg, welche er als bevorzugten Aufenthaltsort stets weiter ausbauen ließ, sofern die Gegebenheiten des Standortes es erlaubten.

Die Zeit zwischen 1371 und 1400, als die Burg an die Grafen von Schönburg verpfändet war, wurde genutzt, um die Befestungsanlagen weiter auszubauen und der Burg somit ihren Ruf als gewichtigste des Landes zu geben. Diese Stärke der Burg Tharandt zeigte sich besonders während des Hussiteneinfalls 1429, da sie zur Unterbringung bedeutsamer Urkunden und Wertsachen des Kurfürstenhauses diente.

Erst für die Herzogin Sidonie (Zdenka), Tochter des Georg von Podiebard (böhmischer König) und Ehefrau Herzog Albrechts, welche ab 1476 auf Tharandt residierte, wurden erneute Umbauten durchgeführt. Um die Oberburg auch mit einer Kutsche erreichen zu können – bis dahin konnte der Halsgraben über eine Zugbrücke nur zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes überwunden werden – ließ die neue Burgherrin die Westseite des Palas durch eine Einfahrt öffnen, welche heute jedoch zugemauert ist.

Mit Sidonies ableben 1510 verließ der letzte Bewohner die ehemals umkämpfte Burg. Türen und Fenster fanden ihre Bestimmung im Jagdschloss Grillenburg, und nachdem 1568 der Blitz einschlug, begann 1582 der Abriss durch die Bevölkerung, um über das Baumaterial verfügen zu können. Die Stadtkirche zum heiligen Kreuz entstand 1626 – 1631 auf den Mauern der Unterburg. Erst durch das Beklagen Friedrich Schillers 1787 über das Durcheinander wurden rund 200 Jahre, nachdem der Verfall begonnen hatte, die Trümmer beseitigt und der Berg für Besucher wieder zugänglich gemacht. Durch die Eröffnung eines Mineralbades in Tharandt fanden auch andere bekannte Geister dieser Zeit den Weg, um der Burg ihren Tribut zu zollen. Begeistert von der Schönheit, die sich einem eröffnete, strebten die Stadtherren ein attraktives Bauwerk an. Aus Unwissenheit wurden Fensterhöhlen als gotische Spitzbogen ausgemauert und der Berg, auf welchem die Burgruine steht, mit Bäumen bepflanzt, was nicht im Sinne einer uneinnehmbaren Burg stand.

In der Nähe der Burgruine erhebt sich das 1858-1861 erbaute Stadtschloss, welches sein jetziges Aussehen erst 1936 nach einem Brand erhielt und seit 2002 auf privater Ebene saniert wird.