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Schloss Nymphenburg – Zeugnis der Dankbarkeit eines Vaters Drucken E-Mail
Mittwoch, 20. Mai 2009 um 13:05 Uhr


Die Geburt eines Kindes war der Auslöser für die Grundsteinlegung eines der heutzutage größten Königsschlösser Europas. Henriette Adelheid von Savoyen gebar am 11. Juli 1662 in München den lang ersehnten Thronfolger für den Kurfürsten Ferdinand Maria und bekam als Beweis für dessen Dankbarkeit von Max Emanuels Vater die Mittel zum Bau des Schloss Nymphenburg zur Verfügung gestellt.

Heute umfasst der symmetrische Schlosskomplex eine zusammenhängende Anlage von mehr als 600 m Länge. Begonnen hatte die Grundsteinlegung für den kubischen Mitteltrakt über fünf Etagen mit beidseitiger Freitreppe im Jahr 1664 unter der Leitung von Agostino Barelli – später Enrico Zuccali – und nahm bis zur Fertigstellung zehn Jahre in Anspruch. Das vornehmlich als Sommerresidenz der Wittelsbacher dienende Schloss wurde in den Jahren 1702 – 1704 durch die Weisungen des Thronfolgers um die beidseitigen Galerien sowie ab 1715 mit vier übereck stehenden Pavillons erweitert. Kurfürst Karl Albrecht, der Enkel der Fürstin, sorgte durch den Bau der Orangerie im Norden sowie des Marstalls im Süden für die Weiterführung des barocken Schlosses.

Ist der Entschluss für den Besuch dieses prunkvollen Bauwerks getroffen, sollten Besucher sich auf die Wucht gefasst machen, mit der die Schönheit wie auch Detailverliebtheit der imposanten Räumlichkeiten auf das eigene Wesen prallt. Kostenpflichtige Schlossführungen begleiten Gäste durch eine Welt, vermischt aus Komponenten des Barock, Rokoko und des Klassizismus. Über drei Geschosse erstreckt sich beispielsweise der „Steinerne Saal“, dessen Lichtführung sich nach dem Lauf der Sonne richtet. Geschaffen durch François de Cuvilliés als Festsaal, beeindruckt er die Menschen unter anderem durch Fresken des Johann Baptist Zimmermann. Südlich davon betritt man im Anschluss an das „ehemalige Schlafzimmer“ das sogenannte „Lackkabinett“, dessen Wände nahezu komplett mit Koromandellack-Tafeln versehen sind, auf denen sich – bildhaft dargestellt – Szenen eines chinesischen Romans befinden.

In der Nähe der „Schönheitengalerie“ – bestehend aus 36 schönen Damen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten – welche sich im inneren südlichen Pavillon befindet, kann das Geburtszimmer von König Ludwig II. von Bayern besichtigt werden. Geboren am 25. August 1845 lies der später als „Märchenkönig“ bekannt gewordene Monarch im Jahr 1869 den Grundstein für seinen Rückzugsort Schloss Neuschwanstein legen.

Neben unzähligen weiteren Sehenswürdigkeiten des Schlosses ist im Nordflügel seit 1990 das Museum „Mensch und Natur“ und im Südflügel das Porzellanmuseum München sowie das Marstallmuseum untergebracht. Ebenfalls im Nordflügel des Schlosses liegend, befindet sich seit 1835 die Maria-Ward-Grundschule, deren namensgebende Gründerin eine Vorreiterin der Rechte von Mädchen auf eine bessere Schulbildung war.

Neben dem Besuch des Schlosses sollte keinesfalls der weitläufige Park außer Acht gelassen werden. Ursprünglich als kleiner italienischer Garten angelegt, wurde er ab 1700 wesentlich vergrößert und die Umgestaltung im französischen Barockstil begonnen. Ab 1804 dienten Landschaftsgärten englischen Stils als Vorbild für eine erneute Veränderung. Die große Parterre hinter dem Schloss beheimatet zwölf römische Götterfiguren und Vasen aus weißem Sterzinger Marmor. Ein „Wanderweg“ durch die gesamte Anlage führt vorbei an weiteren kleinen Burgen, wunderschön angelegten Seen und Landschaften, in denen, wenn man die Natur genießt und sich nicht allzu hektisch verhält auch hin und wieder ein kleines Rehkitz zu entdecken ist.

Weiterführende Informationen zu den Öffnungszeiten des Schlosses, sowie der Anfahrt:
http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/Schloss/objekte/ny_schl.htm