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Jagdschloss Augustusburg vereint Moderne mit Altertum Drucken E-Mail
Mittwoch, 20. Mai 2009 um 12:47 Uhr


Könnte man dem 516 m hohen Schellenberg südöstlich von Chemnitz eine Stimme verleihen, würde er viel Interessantes zu erzählen wissen. Bevor Kurfürst August das Jagdschloss Augustusburg ab 1568 bis 1572 erbauen ließ, stand hier die mehr als 300 Jahre alte Burg Schellenberg, welche - durch Brand und Blitzeinschlag schon stark zerstört - schließlich im Jahr 1567 abgerissen wurde. Als Jagd- und Lustschloss sowie zur Unterstreichung der Stellung des Kurfürsten diente das Jagdschloss Augustusburg und verfügt heute über einen der tiefsten in den Fels geschlagenen Brunnen Sachsens, welcher nur noch durch den auf der Festung Königstein übertroffen wird.

Das im Stil der deutschen Spätrenaissance erbaute Schloss erlebte Blütezeiten und bauliche Veränderungen, aber auch Krieg, Plünderung und Zerstörung. Im 19. Jahrhundert als Speicher, Forstverwaltung und Pensionat genutzt begannen ab 1948 bauliche Erhaltungsmaßnahmen. Nach der Auflösung des ersten im Schloss etablierten Museum 1968 diente es immer wieder als Heimat für museale Einrichtungen, selbst als 1992 der Freistaat Sachsen das Schloss sein Eigene nennen durfte. Den Besuchern bieten sich bis heute neben geschichtsträchtigen Kutschenausstellungen auch einige ungewöhnliche Exponate, die nicht immer in den herrschaftlichen Räumen eines Schlosses erwartet werden.

Um die Anlage zu erreichen, stehen dem Besucher Wanderwege sowie die Möglichkeiten per Bahn oder Pkw zur Verfügung. Auch eine Seilbahn bringt interessierte auf den Schellenberg, um dort neben der Aussicht auch einen Rundgang durch Schloss Augustusburg mit den integrierten Museen zu erleben. Das Hasenhaus beherbergt neben Ausstellungen zur Schloss- und Jagdgeschichte auch das Museum für Jagdtier- und Vogelkunde mit täuschend echt aussehenden Tierpräparationen aus der hauseigenen Werkstatt. Als nächstes lockt der Schlosskerker mit der Ausstellung „Richter – Henker – Missetäter“ und erfüllt die durch den Namen erweckten Erwartungen. Originale wie auch rekonstruierte Folter- und Strafwerkzeuge führen dem Besucher vor Augen, dass in den vergangenen Jahrhunderten nicht unbedingt zimperlich mit Straffälligen umgegangen wurde.

Für technikbegeisterte erweist sich das Motorradmuseum als wahres Mekka des Staunens. Alles, was mit zwei Rädern der Fortbewegung diente, hat hier ein angemessenes zuhause gefunden. So erzählt nicht nur die grüngelbe „Böhmerland“ von 1937 ihre Geschichte, sondern auch skurrile Fahr- und Laufräder, deren Benutzung man sich heute kaum noch vorstellen kann. Weitere Wechselausstellungen hält die Turmgalerie bereit, wo Künstler eine Zeit lang ihre Werke ausstellen dürfen. Ist die Spitze des Lindenturms nach etlichen Stufen endlich erreicht, eröffnet sich dem Besucher eine unglaubliche Aussicht auf die Umgebung.

Doch auch das Freigelände des Schlosses ist für gemütliche Spaziergänge und erstaunliche Momente zu haben. Neben dem Brunnenhaus mit bereits erwähntem Brunnen und der Schlosskirche bietet die ansässige Falknerei mit über 40 frei fliegenden Adlern und Falken atemberaubende Augenblicke, in denen sich die „Könige der Lüfte“ in blitzschneller Geschwindigkeit auf ihre vermeintliche Beute stürzen.

Das Schloss kann im Rahmen einer Schlossführung oder durch eigenes Erkunden besichtigt werden und bietet neben allerlei Sehenswerten auch einen Trausaal sowie eine Glücksschmiede und die Möglichkeit in der Jugendherberge mit 104 Betten zu nächtigen. Nachdem der Geist mit soviel Wissens- und Sehenswertem gefüttert wurde, ist für die dann benötigten Gaumenfreuden der Augustuskeller ein erstrebenswertes Ziel. Eingebettet in mittelalterliche Gewölbe werden dem Gast die herrlichsten Köstlichkeiten der kinderfreundlichen Gaststätte unterbreitet.

Mehr Informationen zum Schloss Augustusburg:

http://www.erlebnisland-erzgebirge.de/index.php?gemeinde=&id=95&index=ausgabe_d-S